Die Himmelfahrt des Heilandes ist die Krönung und Vollendung seines gottmenschlichen Lebens auf Erden. Unter den Siegesgesängen der vereinigten Himmelschöre öffnen sich für ihn die Tore des Himmels; mit seiner verklärten Menschheit, begleitet von den Erstlingen der Erlösung: den Vätern aus der Vorhölle, tritt Jesus als König ein in die blendende Gottesherrlichkeit. Nun erfüllt sich das Wort des Psalmisten: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten“ (Ps. 109,1), und das des Apostels: „Darum hat ihn Gott auch erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist“ (Phil. 2,9). Statt mit der schimpflichen Krone ist er nun mit „Ehre und Herrlichkeit“ gekrönt. Das Kreuz ist zum Zeichen fürstlicher Würde geworden; die Wunden von den Nägeln und der Lanze strahlen wie die Sonne. So sitzt er nun auf dem höchsten Throne und hat von seinem Vater unumschränkte Herrschergewalt erhalten über alle Völker der Erde. Dort zeigt er als mitleidsvoller, mit unsern Schwachheiten vertrauter Hoher Priester dem Vater ohne Unterlass die Wundmale, die er auch in seiner Verklärung beibehalten wollte, und bewegt ihn dadurch zum Erbarmen. Er ist unser Fürsprecher beim Vater (1 Joh. 2,1).
 
Christus zog nicht allein in den Himmel ein. An seinem Triumphzug nahm die ganze menschliche Natur teil. „Gott“, sagt der heilige Paulus (Eph. 2,4-6), „hat uns mitbelebt in Christus und mit auferweckt und in Christus Jesus mitversetzt in den Himmel.“ Er ist nicht allein aufgefahren, er hat nicht allein den Thron der Herrlichkeit bestiegen, sondern wir mit ihm: „Gottes Sohn hat die mit ihm als Glieder zu einem Leibe zusammengeschlossenen Gläubigen zur Rechten des Vaters gesetzt“ (Heiliger Leo der Große). „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die seien, die du mir gegeben hast“ (Joh. 17,24). So setzt sich das erhabene Geheimnis der Himmelfahrt fort, bis mit der Aufnahme des letzten Auserwählten der mystische Leib Christi seine Vollendung erreicht haben wird.



Letzter Fußabdruck Christi.
   Himmelfahrtskapelle auf dem Ölberg in Jerusalem.  

Freuen wir uns über den Triumph unsres göttlichen Heilandes, der nun der „König der Glorie“ ist. „Wenn ihr mich liebet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe“ (Joh. 14,28). Erwecken wir aber auch selbst ein sehnsüchtiges Verlangen nach der Seligkeit des Himmels, unsrer einstigen Heimat. „Was droben ist, suchet, wo Christus ist zur Rechten des Vaters“ (Kol. 3,1). Beachten wir auch, dass der Heiland vom Ölberg, der Stätte seines Leidensbeginnes, zum Himmel aufgefahren ist; so müssen wir „durch viele Trübsale ins Himmelreich eingehen“ (Apg. 14,22).
 
 
(Anselm Schott OSB, Das Meßbuch der heiligen Kirche. Mit liturgischen Erklärungen und kurzen Lebensbeschreibungen der Heiligen, 50., neubearb. Aufl., Freiburg im Breisgau 1943/47, S. 497f.)
 

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