Eine zweite, noch wichtigere Sache sagt uns die Unbefleckte Jungfrau Maria, wenn wir hierherkommen: daß das Heil der Welt nicht das Werk des Menschen – der Wissenschaft, der Technik, der Ideologie – ist, sondern von der Gnade kommt. Was bedeutet dieses Wort? Gnade bedeutet die Liebe in ihrer Reinheit und Schönheit, sie ist Gott selbst so wie er sich in der Heilsgeschichte offenbart hat, über die die Bibel berichtet und die in Jesus Christus ihre Erfüllung findet. Maria wird die »Begnadete« genannt (Lk 1,28), und mit dieser Identität erinnert sie uns an den Primat Gottes in unserem Leben und in der Geschichte der Welt; sie erinnert uns daran, daß die Kraft der Liebe Gottes stärker ist als das Böse, daß sie die Leere füllen kann, die der Egoismus in der Geschichte der Personen, der Familien, der Nationen und der Welt hervorruft. Diese Leere kann zur Hölle werden, wo das menschliche Leben gleichsam in die Tiefe und ins Nichts gezogen wird, den Sinn und das Licht verliert. Die falschen Gegenmittel, die die Welt anbietet, um diese Leere zu füllen – bezeichnend sind die Drogen –, vergrößern in Wirklichkeit den Abgrund. Nur die Liebe kann aus diesem Fallen retten, aber nicht irgendeine Liebe, sondern eine Liebe, die die Reinheit der Gnade – der Gnade Gottes, der verwandelt und erneuert – in sich trägt und so in die vergifteten Lungen neuen Sauerstoff, saubere Luft, neue Lebenskraft hineinbringen kann. Maria sagt uns: So tief der Mensch auch fallen mag, es ist niemals zu tief für Gott, der bis in das Reich des Todes hinabgestiegen ist; so irregeführt unser Herz auch sein mag, Gott ist stets »größer als unser Herz« (1 Joh 3,20). Der sanfte Hauch der Gnade kann die schwärzesten Wolken vertreiben, kann das Leben auch in den unmenschlichsten Situationen schön und bedeutungsvoll machen.
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