Vom 13. April bis zum 13. Mai 2012
wird die Tunica Christi, der Heilige Rock, im Trierer Dom gezeigt werden.

Dies geschieht fast auf den Tag
genau der ersten Zeigung vor 500 Jahren. Im Jahr 1512, während eines
Reichstages, bestand Kaiser Maximilian I. darauf, die Tunica Christi zu sehen,
die schon damals in einem Reliquiar verschlossen war. Am 14. April wurde der
große Kasten, in dem sich die Reliquie befand, aufgemacht, um diese in privatem
Rahmen zu zeigen. Wenige Tage danach, am 22. April 1512, wurde der
Reliquienschrein über dem Hochaltar geöffnet und für den 2. Mai eine dreitägige
öffentliche Anbetung anberaumt. 

Somit begann die inzwischen
jahrhundertelange Tradition der Heilig-Rock-Wallfahrt. Zunächst fanden die
Wallfahrten jährlich statt, ab 1515 wurden alternierend zur Aachener
Heiligtumswallfahrt im sieben-jahren-Zyklus organisiert – falls das aufgrund
von Kriegswirren überhaupt möglich war. In späteren Jahrhunderten wurden die
Zeitabstände deutlich größer. So gab es im XIX. Jahrhundert nur in den Jahren
1810, 1844 und 1891 Wallfahrten. Im XX. Jahrhundert fanden Wallfahrten in den
Jahren 1933, 1956 und 1996 statt.

Die 2012-Wallfahrt ist die erste
seit 1996.

Seit der 1996-Wallfahrt finden
alljährlich die Heilig-Rock-Tage statt, an denen auch viele Pilger nach Trier
kommen. Doch während dieser Tage wird die Tunica Christi nicht ausgestellt,
sondern bleibt im Reliquiar in der Heilig-Rock-Kapelle aufbewahrt. Die Heilig-Rock-Wallfahrt bekam oft
–  gewollt oder ungewollt – eine
kirchenhistorische Dimension. So wurden nach dem 30-jährigen Krieg die
Wallfahrten bewusst für den religiösen Neubeginn in Deutschland organisiert.
Die Wallfahrt im Jahr 1810, also unmittelbar nach der Französischen Revolution
und den darauffolgenden Kriegen samt Besetzung des Rheinlandes durch
französische Truppen, wurde nicht nur das Wallfahrtswesen wieder neu belebt,
sondern generell die Frömmigkeit und die religiöse Praxis. Die Wallfahrt des
Jahres 1844 fand inmitten von heftigen Attacken auf die katholische Kirche
seitens der Liberalen statt, die ihr Obskurantismus und Aberglaube vorwarfen.
Die deutschen Katholiken reagierten auf diese Angriffe eindrucksvoll: Man
schätzte die Zahl der Pilger auf über einer Million ein. Historiker bezeichnen
diese Wallfahrt als das größte Massenereignis Deutschlands der ersten Mitte des
XIX. 
Jahrhunderts. Die hohe Zahl ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt,
dass zu dieser Zeit die meisten Pilger noch zu Fuß kommen mussten. Der
katholische Publizist Joseph Görres sprach von einem „Jubelfest des
Jahrhunderts“. 

Die Wallfahrt von 1891 fand
unmittelbar nach dem „Kulturkampf“ der preußischen Regierung gegen die
katholische Kirche statt. Auch diese wurde mit fast zwei Millionen Pilgern zu
einer gigantischen Demonstration des katholischen Glaubens in Deutschland. 

Anlässlich des Heiligen Jahres zur
1900-Jahrfeier des Todes Christi wurde im Jahr 1933 eine Heilig-Rock-Wallfahrt
organisiert, die erste im XX Jahrhundert. 2,2 Millionen Pilger kamen nach Trier
und damit bis heute die größte aller Zeiten. Erst 1959 fand die nächste
Wallfahrt statt – es kamen in 64 Tagen 1,8 Millionen Pilger nach Trier. Die
letzte Wallfahrt bis heute war die vom Jahr 1996, die in 28 Tagen 700.000
Pilger in die Domstadt an der Mosel anzog. Nach dieser Wallfahrt fanden
jährlich die Heilig-Rock-Tage statt – eine Art Trierer Kirchentag -, die am
Freitag nach dem Weißen Sonntag beginnen und zehn Tage andauern. Beim Abschluss
der 2007er Heilig-Rock-Tage verkündete der damalige Bischof von Trier, Dr.
Reinhard Marx, dass im Jahr 2012 auf Anlass der ersten Zeigung vor 500 Jahren
erneut eine Wallfahrt stattfinden sollte.

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