Anläßlich seines Festes am 28. August
Eine
Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl.
Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten
biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares
ist.

Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung,
wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle
Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der
sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein
erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand,
die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die
allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken
eindrangen, als er noch nicht katholisch war.

Er
hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in
seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius,
der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein
großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für
ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem
Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem
großen Schreiber mit Begeisterung zu.
Ambrosius
wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen
würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem
anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und
bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese
Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer,
in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten,
gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt,
erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um
ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine
Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem
Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade
durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein
Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.
 Dann
die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine
große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging
und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine
Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast
einer Verzückung gleichkam.

Und
dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner
Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und
lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er
liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.
Weiter
beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl.
Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine
Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer
schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine
Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und
fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die
Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte
dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er
meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: „Frau, ich habe
nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen:
Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen.“ Das heisst,
es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer
Trauer, Schmerz und Tränen.
 Man
kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung,
sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach
Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die
Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich
am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass
sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses
Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide
gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese
Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des
Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels,
da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem
Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später
(395) Bischof von Hippo wird.

In
Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch „Die Stadt Gottes“,
in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von
Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort
beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei
vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder,
wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der
Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und
der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen
Kampf befinden.

Es
ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf
einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer
Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche
das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser
zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor,
und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen
Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt
Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der
Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das
heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der
anderen.

 Das
nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein
Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums
zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt
ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen
Geisteshaltung und alles weitere.

Die
Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an
die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns
hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist,
der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der
unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur
für Gott leben.
Diese
zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die
Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden
Prinzipien.
Jemand
könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der
Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von
Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht
Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese
ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen
Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der
Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.
Es
gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem
er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das
Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen,
dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion
weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas.
Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis
heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher
in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.
Als
er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war
Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre
erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren
die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des
Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.

Man
sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will,
dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die
Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine
Werke liegen da, fertig.



Und
als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter,
wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere „die Stadt
Gottes“. Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit
Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann
nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht
von einer großen Nützlichkeit sei.

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